Ordnungsmaßnahmen - vom Klassenbucheintrag bis zum Schulausschluss:

Abrenzung - Ordnungsmaßnahmen zu "bloßen" Pädagogischen Maßnahmen:

Spricht man von Ordnungsmaßnahmen in Hessen, so wird umgangssprachlich meist nicht zwischen den "bloßen" pädagogischen Maßnahmen und den formellen Ordnungsmaßnahmen unterschieden:

Rein formalrechtlich ist es so, daß die Schule aufgrund ihrer Funktion in ihrem Herrschaftsbereich erzieherisch tätig werden darf. Dies geschieht faktisch tagtäglich durch allerlei Pädagogische Maßnahmen. Darauf aufbauend werden in Hessen (wie in den anderen Bundesländern auch) sogenannte Ordnungsmaßnahmen explizit geregelt (§ 82 HSchG).

In der Praxis spricht man meist nur von Ordnungsmaßnahmen, so daß ich diesen Begriff auch als Oberbegriff verwendet habe. Inhaltlich muß man natürlich bei "bloßen" Pädagogischen Maßnahmen genauso auf der Hut wie bei der Verhängung von Ordnungsmaßnahmen sein.

Vorbemerkung - Neuregelung der Ordnungsmaßnahmen zum Schuljahr 2011/2012:

Nachfolgende Darstellungen beziehen die Neuregelungen der Ordnungsmaßnahmen zum Schuljahr 2011/2012 mit ein. Bitte seien Sie deshalb vorsichtig, wenn Sie veraltete Darstellungen im Internet abgleichen.

"Bloße" Pädagogische Maßnahmen:

Sogenannte Pädagogische Maßnahmen, wie Strafarbeiten, der Klassenbucheintrag, das Elterngespräch etc. sind auch in Hessen an der Tagesordnung und werden meist gar nicht bewußt wahrgenommen.

  • Dies heißt freilich nicht, daß man es einfach so hinnehmen sollte, wenn man ungerecht behandelt wird: Oftmals sammeln Schulen solche pädagogischen Maßnahmen - mehr oder weniger - unbemerkt und irgendwann ergeht dann eine gravierende Ordnungsmassnahme, in der das ganze Schuljahr (und oftmals noch weit entferntere Vorgänge) auf den Tisch kommt.
  • Es lohnt sich also rechtzeitig die Notbremse zu ziehen, wenn man bemerkt, daß ein Lehrer einen Schüler auf dem Kieker hat etc.

Eine neue Bedeutung haben die "bloßen" Pädagogischen Maßnahmen in Hessen zudem dadurch erhalten, daß der Ausspruch der Androhung einer Ordnungsmaßnahme nunmehr als bloße Pädagogische Maßnahme gelten soll.

Diese rechtliche Verrenkung ist nicht einmal mehr für mich als Juristen auch nur ansatzweise nachvollziehbar, bundesweit ohnehin einmalig und wird dazu führen, daß in Hessen künftig Pädagogische Maßnahmen ganz häufig Gegenstand von Rechtsstreiten werden. Denn gegen die Androhung einer Ordnungsmaßnahme wird man immer rechtlich vorgehen.

Für weitergehende Fragen hierzu, einer Erstberatung anhand Ihres konkreten Falls sowie einer deutschlandweiten Vertretung Ihrer Interessen kontaktieren Sie mich bitte direkt.

Formelle Ordnungsmaßnahmen:

Anders ist das Bewußtsein von Eltern und Schülern, wenn darüberhinausgehende Ordnungsmassnahmen, wie ein  (inzwischen bis zu 2-wöchiger) Unterrichtsausschluss die Überweisung in eine Parallelklasse, der Ausschluß von einer schulischen Veranstaltung  oder gar die Überweisung in eine andere Schule (Schulausschluss) ausgesprochen werden.

Spätestens jetzt ist höchste Eile geboten, die Ordnungsmassnahme sofort anzugreifen:

Wenn ein Unterrichtsausschluss, die Überweisung in die Parallelklasse oder einer Überweisung an eine andere Schule in Rede steht, kontaktieren Sie mich deshalb bitte möglichst frühzeitig, d.h. im besten Falle bevor die Ordnungsmaßnahme erlassen wurde.

  • Zu diesem Zeitpunkt kann man bei unberechtigten Vorwürfen eine Ordnungsmaßnahme oftmals noch im Keim ersticken bzw. bei einem unstreitigen Fehlverhalten die Sanktion auf eine verhältnismäßige Ebene beschränken.
  • Tut man dies nicht, so wird man von den Schulen im nachhinein regelmäßig überrollt und ein Gespräch ist dann meist nicht mehr möglich, d.h. es verbleibt faktisch meist nur noch die Option über das Schulamt oder das Verwaltungsgericht eine Korrektur zu erwirken - was weit nervenaufreibender wird.

Für weitergehende Fragen hierzu, einer Erstberatung anhand Ihres konkreten Falls sowie einer deutschlandweiten Vertretung Ihrer Interessen kontaktieren Sie mich bitte direkt.

Nachbemerkung - Opfersicht:

Die Erreichung der Bildungs- und Planungsziele setzt voraus, daß der Schulunterricht ohne gravierende Störungen verläuft. Naturgemäß sind im Sinne der Aufrechterhaltung diese inneren Ordnung Grundrechtseingriffe bei den Schülern unabdingbar. Dies gilt um so mehr, als es um einen Opferschutz geht (bspw. Mobbing in der Klasse, Verprügeln eines schwächeren Mitschülers etc.).

Wer auf der Opferseite steht, verdient natürlich den notwendigen Schutz. Dies ist allerdings ein Thema, das ich an anderer Stelle, bei den Mobbing in der Schule behandele, denn meist liegt das Problem dann darin begründet, das es auch Konstellationen gibt, bei denen Lehrer wegschauen, um ihre Ruhe zu haben.

Meist kommt es bei Ordnungsmassnahmen auch nicht zu Konflikten mit dem Opferschutz. Vielmehr zeichnet sich eine Vielzahl der Fälle dadurch aus, daß ein oder mehrere Lehrer einen Schüler "auf dem Kieker" haben und dieser Ordnungsmassnahmen für Verhaltensweisen erhält, die Dritte gar nicht betreffen.

Infolgedessen heiligt auch nicht jeder (zumal vorgeschobene) Zweck jedes Mittel - auch wenn dies von einigen Pädagogen durchaus so gesehen wird.

In der Praxis ist auch immer genau darauf zu achten ist, daß man auch "den Richtigen" erwischt hat (und nicht nur einen Sündenbock bestraft, wie dies leider auch häufig zu beobachten ist).

Für weitergehende Fragen hierzu, einer Erstberatung anhand Ihres konkreten Falls sowie einer deutschlandweiten Vertretung Ihrer Interessen kontaktieren Sie mich bitte direkt.

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