Hitzefrei:

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es für Hessen noch eine Hitzefrei-Regelung: Den Erlaß für "Andere Unterrichtsformen und Unterrichtsausfall bei großer Hitze".

a. Voraussetzungen:

Erfreulich ist nicht nur, daß es in Hessen noch eine solche Regelung gibt, sondern auch, daß die Regelung berücksichtigt, daß es aufgrund der Sommerzeit erst später warm werden kann:

Ziffer 1:
Es kann an Tagen, an denen um 11.00 Uhr an einem für die Temperatur im Schulgebäude repräsentativen Unterrichtsraum 25°C oder mehr erreicht werden, auf besondere Belastungssituationen für die Schülerinnen und Schüler der Grundstufe und der Mittelstufe (Sekundarstufe I) mit folgenden Maßnahmen eingegangen werden...

Festzuhalten ist also, daß Hitzefrei nicht für die Oberstufe gilt (was in anderen Bundesländern aber auch so ist) und daß die vorbenannte Temperatur zu erreichen ist.

Liegen diese Tatbestandsmerkmale vor, so "können" nach dem Wortlaut Maßnahmen ergriffen werden. Die Entscheidung über die Einleitung von Maßnahmen liegt also im pflichtgemäßen Ermessen.

  • Es wäre hiernach allerdings sinnwidrig, wenn man die Einleitung von Maßnahmen überhaupt in das Ermessen stellen würde. Schließlich hat der Erlaßgeber ganz klar eine Grenze bestimmt (nämlich 25°C um 11.00 Uhr) bei der es so heiß ist, das ein regulärer Unterricht nichts mehr bringt bzw. gar zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann. Wenn man solche Grenzwerte festlegt, dann muß man diese auch ernst nehmen.
  • Infolgedessen wird man davon auszugehen haben, daß in jedem Falle Maßnahmen einzuleiten sind und nur ins Ermessen zu stellen haben, welche Maßnahmen dann konkret eingeleitet werden.

b. Rechtsfolge - verschiedene Maßnahmen nach Ermessen:

Im Ermessen steht also die Auswahl von konkreten Maßnahmen und hier nennt der Erlaß die Folgenden:

Ziffer 1:
...
1. Durchführung alternativer Formen des Unterrichts wie beispielsweise Unterricht an anderen Lernorten.
2. Kein Stellen von Hausaufgaben.
3. Beendigung des Unterrichts nach der fünften Stunde.

Ziffer 2:
Für den Unterrichtsausfall nach Ziffer I.3 ist Folgendes zu beachten:
- Zunächst ist zu prüfen, ob anstelle des Unterrichtsausfalles Maßnahmen nach Ziffer 1.1 und 1.2 in Frage kommen.
- Vor der Entscheidung sollen Schulleiterinnen und Schulleiter benachbarter Schulen ihre Entscheidung miteinander abstimmen.
- In den Fällen, in denen Schülerinnen und Schüler nicht nach dem vorzeitig beendeten Unterricht nach Hause geschickt werden können, insbesondere in Ganztagsschulen, an Schulen mit Ganztagsangeboten oder pädagogischer Mittagsbetreuung sowie an Schulen mit verläßlichen Schulzeiten sind geeignete Beschäftigungs-, Betreuungs- oder Aufenthaltsmöglichkeiten bis zum Ende der regulären Unterrichtszeit oder Verweildauer an der Schule zur Verfügung zu stellen. Dies gilt auch für Fahrschülerinnen und Fahrschüler.
Im übrigen sind die Vorschriften der Verordnung über die Aufsicht über Schüler vom 28. März 1985 (ABl. S. 185) in der jeweils geltenden Fassung zu beachten.

Die Rechtsfolgen werden all diejenigen enttäuschen, die Hitzefrei sofort mit Unterrichtsausfall verbinden: Diese soll nämlich nur als "letztes Mittel" eingreifen. Da alterbative Unterrichtsformen bei großer Hitze sehr fragwürdig sind, wird man aber durchaus zumindest "Hausaufgabenfrei" einfordern können.

Im übrigen wird auch auf die Belange berufstätiger Eltern Rücksicht genommen, was bei alledem natürlich auch sehr wichtig ist.

Für weitergehende Fragen hierzu, einer Erstberatung anhand Ihres konkreten Falls sowie einer deutschlandweiten Vertretung Ihrer Interessen kontaktieren Sie mich bitte direkt.