Vorzeitige Einschulung in Hessen:

Die umgekehrte Situation zur Zurückstellung von der Schule ist der Fall, bei dem die Kinder am Einschulungsstichtag eigentlich noch nicht das erforderliche Alter erreicht haben, allerdings nach Einschätzung der Eltern durchaus in der Lage wären, bereits am Schulbesuch teilzunehmen.

Vorzeitige Einschulung in Hessen - § 58 HSchG:

§ 58 HSchG - Beginn  der Vollzeitschulpflicht
(1) ...Kinder, die nach dem 30. Juni das sechste Lebensjahr vollenden, können auf Antrag der Eltern in die Schule aufgenommen werden. Die Entscheidung trifft die Schulleiterin oder der Schulleiter unter Berücksichtigung des schulärztlichen Gutachtens. Die Schulpflicht beginnt mit der Einschulung. Bei Kindern, die nach dem 31.Dezember das sechste Lebensjahr vollenden, kann die Aufnahme vom Ergebnis einer zusätzlichen schulpsychologischen Überprüfung der geistigen und seelischen Entwicklung abhängig gemacht werden...

Hessen differenziert demnach zwischen Kindern, die zwischen dem 01.07. und 31.12. das sechste Lebensjahr vollenden und solchen, die erst nach dem 31.12. das sechste Lebensjahr vollenden. Beiden Fällen ist allerdings gemein, daß die Schule im Wege einer Ermessensentscheidung das Letztentscheidungsrecht trägt, also nicht ein freier Elternwille entscheidet.

vorzeitige Einschulung in Hessen - Praxis:

Rechtliche Auseinandersetzungen um eine vorzeitige Einschulung sind weniger häufig als solche um die Zurückstellung von der Schule. Hintergrund ist, daß politisch alle Bundesländer sehr darauf achten, daß Kinder nicht zu spät in die Schule gehen (möglicherweise unter dem weitsichtigen Aspekt, daß sie dann ein Jahr weniger in die Rentenkasse einzahlen...). Die vorzeitige Einschulung ist demgegenüber grundsätzlich politisch nicht unerwünscht, so daß in der Praxis hier weit großzügigere Handhabungen zu beobachten sind.

Wird die vorzeitige Einschulung allerdings abgelehnt, ist eine ähnlich restriktive Verfahrensweise wie bei der Zurückstellung vom Schulbesuch zu beachten. Meist begründen dies Schulleiter damit, daß das Kind noch nicht so weit ist und es in der Schule/ dem Klassenverband verloren wäre - dies wird dann üblicherweise auch im Rahmen eines Widerspruchsverfahrens von den Schulämtern so gesehen.

Und auch hier ist eine Verwaltungspraxis recht häufig, daß erst monatelang nichts passiert und dann zu Beginn der Sommerferien "quasi per Serienbrief" ablehnende Entscheidungen versandt werden.

Insofern rate ich Ihnen an: Kontaktieren Sie mich bei rechtlichen Problemen für eine Erstberatung oder deutschlandweite Vertretung Ihrer Interessen möglichst frühzeitig, da dann noch hinreichend Zeit besteht, Druck auf die Entscheidungsträger auszuüben. Bei später Kontaktierung ist es oftmals schwer, noch an die Schulen/ Schulämter heranzukommen und die Möglichkeiten beschränken sich regelmäßig auf einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht.

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