Zurückstellung von der Schule/ vom Schulbesuch in Hessen:

Wer der Auffassung ist, daß sein Kind lieber erst im kommenden Schuljahr die Schule besuchen sollte, dem bleibt - innerhalb der gesetzlichen Vorgaben - die Möglichkeit, einen Antrag auf Zurückstellung von der Schule zu stellen:

Zurückstellung von der Schule in Hessen - § 58 Hessisches Schulgesetz (HSchG):

Die Voraussetzungen der sogenannten Zurückstellung von der Schule regelt § 58 HSchG:

§ 58 HSchG – Beginn der Vollzeitschulpflicht

(3) Schulpflichtige Kinder, die noch nicht den für den Schulbesuch erforderlichen körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklungsstand haben, können auf Antrag der Eltern oder nach deren Anhörung unter schulpsychologischer Beteiligung und Beteiligung des schulärztlichen Dienstes von der Schulleiterin oder dem Schulleiter für ein Jahr von der Teilnahme am Unterricht der Grundschule oder der Förderschule zurückgestellt werden. Die Zeit der Zurückstellung wird nicht auf die Dauer der Schulpflicht angerechnet.

Eine Eigenentscheidungsbefugnis der Eltern über die Zurückstellung besteht - trotz weitverbreiteter gegenläufiger Annahme – folglich nicht. Allerdings sind die gesetzgeberischen Vorgaben für eine Zurückstellung vom Schulbesuch vergleichsweise weit geregelt, indem körperliche, geistige und seelische Komponenten beachtet werden.

Zu näheren Informationen zur Zurückstellung von der Schule, einer Erstberatung zu Ihrem konkreten Fall oder einer deutschlandweiten Vertretung Ihrer Interessen kontaktieren Sie mich bitte direkt.

Zurückstellung von der Schule in Hessen - Praxis & Rechtsschutz

Die Entscheidungen werden ungeachtet dieses weiten Tatbestandes in der Praxis sehr restriktiv getroffen.

D.h. in der Praxis ist es eher selten, daß den Anträgen zugestimmt wird und wenn, dann vor allem dann, wenn die Schule gerade keine Schüler für dieses Jahr mehr braucht (weil die Klasse voll ist und man eine zweite aufmachen müsste, dafür aber im kommenden Jahr noch Scüler benötigt...). Meist werden Zurückstellungsanträge aber unter Hinweis auf die eigene Erfahrung kurzerhand abgelehnt, ohne daß die Schulleitung sich auf vertiefte Diskussionen einlassen wird...

Hiergegen ist wiederum das Rechtsmittel des Widerspruchs möglich, wodurch der Vorgang an das Schulamt weitergeleitet wird, was an der restriktiven Verfahrensweise indes regelmäßig nichts ändert.

Sehr häufig werden die Anträge/Widersprüche dann monatelang nicht bearbeitet und kurz nach Beginn der Sommerferien ergeht dann der ablehnende Bescheid, was dann regelmäßig zu einer vollständigen Lähmung der betroffenen Familie führt.

Insofern rate ich Ihnen an: Kontaktieren Sie mich bei rechtlichen Problemen zumindest für eine Erstberatung (selbstverständlich aber auch für eine deutschlandweite Vertretung Ihrer Interessen) möglichst frühzeitig, da dann noch hinreichend Zeit besteht, Druck auf die Entscheidungsträger auszuüben. Bei später Kontaktierung ist es oftmals schwer, noch an die Schulen/ Schulämter heranzukommen und die Möglichkeiten beschränken sich regelmäßig auf einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht.

Zurückstellung und sonderpädagogischer Förderbedarf:

Besondere Vorsicht besteht auch nach wie vor unter dem Aspekt, daß bei Anträgen auf Zurückstellung von der Schule seitens der Schulen/ Schulämter oftmals die Möglichkeit einer sofortigen Einschulung mit der Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs in den Raum gestellt wird:

  • Insofern besteht auch immer die Gefahr, daß so etwas eine Eigendynamik dahingehend entwickelt, daß man das Kind auf eine Sonderschule abschieben möchte.
  • Da auch in Hessen inzwischen über Inklusion diskutiert wird, kann es auch vorkommen, daß eine inklusive Beschulung im Einzelfall in Betracht kommt - wobei man sich auch in diesen Fällen, es sich genau überlegen sollte, da auch dies sonderpädagogischen Förderbedarf voraussetzt und es dann schwer ist, wieder aus diesem Status herauszukommen und als "normaler Schüler" zu gelten.

Sollte sonderpädagogischer Förderbedarf aus Ihrer Sicht also im Raum stehen bzw. bekommen Sie dies "angeboten", sollten sie zumindest eine frühzeitige Erstberatung in Erwägung ziehen, da es immer schwieriger wird mitzureden, je weiter dies vorangeschritten ist. Ist ein Verfahren zur Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs erst einmal eingeleitet, dann gerät man sehr stark in die Defensive. Selbstverständlich stehe ich Ihnen aber auch in diesen Fällen für eine deutschlandweite Vertretung Ihrer Interessen notfalls zur Verfügung.

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